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Es handelt sich um ein Dekorationsbild. Kein inhaltlicher Bestandteil.

Nationale Informationsplattform für Menschen mit Behinderung

Von verschiedener Seite wurde in den letzten Monaten verstärkt das Bedürfnis nach der Lancierung einer Informationsplattform für Menschen mit Behinderungen auf nationaler Ebene eingebracht. Die Leiterin der Geschäftsstelle Behindertenpolitik Bund und Kantone des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen EBGB[1], Giulia Brogini, beantwortet Fragen zum angedachten Projekt.

Plattform für mehr Selbstbestimmung

Ein zentrales Element der Behindertenpolitik, wie sie der Bundesrat in seinem Bericht 2018[2]  formuliert hat, liegt im «Selbstbestimmten Leben». Es steht für den Anspruch von Menschen mit Behinderung, mit gleichen Wahlmöglichkeiten in einer Gesellschaft zu leben. Die Wahlmöglichkeiten beziehen sich etwa auf den Wohnort, die Wohnform, die Tages- bzw. Beschäftigungsstruktur, die Unterstützungsleistungen, die Öffnung und Zugänglichkeit der Institutionen bzw. die soziale, kulturelle, wirtschaftliche und politische Teilhabe. Dementsprechend hat der Bund gemeinsam mit den Kantonen ein mehrjähriges Schwerpunktprogramm ausgearbeitet, welches den Rahmen setzt bzw. die Impulse gibt für eine kohärente und engere Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren.[3]

Was genau ist das Ziel des Projektes?

Ähnlich wie es bei «participa.ch» im Kanton Bern oder bei «meinplatz.ch» im Kanton Zürich der Fall ist, sollen bei der angedachten nationalen Informationsplattform für Menschen mit Behinderungen deren Bedürfnisse im Zentrum stehen. Ein breit abgestützter Workshop mit Beteiligten aus kantonalen und nationalen Stellen, Branchenverbänden und Behindertenorganisationen hat im April 2019 gezeigt, dass das Bedürfnis nach einer solchen Plattform unbestritten ist. Zugleich wurde auch deutlich, dass in verschiedener Hinsicht noch Klärungsbedarf besteht. Das EBGB und das Generalsekretariat der Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren SODK erarbeiten derzeit den inhaltlichen und technischen Rahmen, der die Grundlagen für die weitere Diskussion bieten wird.

Welche Herausforderungen gibt es dabei?

Die Hauptschwierigkeit liegt darin, nicht ein «Supertool» anstreben zu wollen, welches zwar materiell und formell alle Wünsche und Anforderungen erfüllt, aber letztlich in der Handhabung so schwerfällig würde und auch finanziell nicht tragbar wäre. Es geht darum, auch in Zukunft diejenigen Lösungen zu bevorzugen, welche einerseits durch die Mitwirkung der Zivilgesellschaft einfach den Menschen in den Mittelpunkt rücken und andererseits auch dem «Realitätscheck» des Föderalismus Stand halten. In diesem Sinne braucht es nebst der Klärung der Rahmenbedingungen, der sorgfältigen Projektplanung, dem nötigen politischen Sensorium und dem pragmatischen Geschick vor allem einen langen Atem!

Wann sind für die zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer die ersten sichtbaren Resultate zu erwarten?

Im vorliegenden Projektstadium geht es erstmal darum, die verschiedenen Bedürfnisse auf nationaler Stufe zu eruieren, zu bündeln sowie die Kernfragen zu definieren, welche dann unter den beteiligten Akteuren im Verlauf der weiteren Projektphasen ausdiskutiert werden müssen, etwa bezüglich der inhaltlichen Schwerpunkte, der Trägerschaft oder der Finanzierung. Insofern stehen wir am erst Anfang der «Reise», bzw. wir versuchen uns über einen längeren gemeinsamen Prozess einig zu werden über das genaue Reiseprogramm, die Reisedauer, die Reisekosten sowie die Packliste. Ich bin jedoch überzeugt, dass die vorhandene grosse Motivation für dieses Projekt – die nationale Informationsplattform für Menschen mit Behinderung – uns allen Projektbeteiligten helfen wird, die nötige Energie und Leistungsbereitschaft aufzubringen, bis die Plattform umgesetzt werden kann.

 

Hinweis: Dieses Interview gibt es u.a. aus Komplexitätsgründen nicht in «leichter Sprache».